[Rezension] „Sapiens“ von Yuval Noah Harari

Meine erste Buchempfehlung schreibe ich, weil mich das Buch so sehr gefesselt hat, dass ich es unbedingt teilen möchte.

Bereits auf den ersten Seiten von „Sapiens wird deutlich, dass hier jemand eine verständliche, unterhaltsame und informative Geschichte in einem recht lockeren und humorvollen Stil geschrieben hat. Das Buch ist kein typisches Geschichts- oder Biologiebuch. Es macht neugierig und zieht den Leser in seinen Bann. Ich konnte es problemlos auf Englisch verstehen.

Im ersten Teil liegt der Fokus auf der kognitiven Entwicklung vom Tier hin zum Menschen. Was macht den Menschen zum Menschen? Warum hat der Mensch sich durchgesetzt und es geschafft alle anderen Lebensformen zu beherrschen? Viele Fragen können heutzutage noch gar nicht abschließend beantwortet werden. So zum Beispiel wird erläutert, dass es mehrere Menschenarten gab aber die Frage nach Verdrängung bzw. Vermischung von Arten noch nicht abschließend beantwortet ist und welche Rolle die Sprache in der Entwicklung gespielt hat. Der Mensch kann Geschichten erfinden und geistige Produkte kreieren. Das trägt dazu bei, dass komplexe Gruppen entstehen können. Tratsch schweißen zusammen.

Evolution-des-wissens

Der Mensch ist Schuld an der größten Artenausrottung der Erde – und das gilt nicht nur für die Neuzeit. „Der Homo sapiens hatte die Hälfte aller Großsäuger der Erde ausgerottet, noch ehe er das Rad, die Schrift und Waffen aus Metall erfunden hatte.“ Funde in Australien, Neuseeland, Amerika und Madagaskar weisen darauf hin, dass die Frühmenschen ökologische Massenmörder waren. Es ist also eine Illusion zu glauben, unsere Vorfahren lebten in Einklang mit der Natur.

Die landwirtschaftliche Revolution wird in Teil zwei des Buches behandelt. Diese wird gern als Erfolgsgeschichte der Menschheit verkauft, aber Harari macht deutlich, dass das Leben der Jäger und Sammler gesünder und angenehmer war, als das Leben der Bauern, die hart arbeiten und zudem ihren Besitz verteidigen mussten. Die Entwicklung verlief in so kleinen Schritten, dass von einer Revolution keine Rede sein kann. Eine Umkehr der Entwicklung war nicht möglich, selbst wenn man sie gewollt hätte, da die Bevölkerung rapide zunahm. Für die domestizierten Tiere begann eine qualvolle Zeit. Es entsteht der Eindruck, dass der Homo sapiens den Kontakt zu seiner natürlichen Umwelt bereits vor 10.000 Jahren verloren hat.

Um mit der größer werdenden Gesellschaft fertig zu werden, wurden immer größere Ordnungsstrukturen geschaffen. Christentum, Demokratie und Kapitalismus bieten solche Systeme, die – um wirksam zu sein – als objektive Wahrheit verkauft werden müssen. Jeder muss daran glauben, ansonsten können keine großen Menschengruppen komplexe Aufgaben zusammen erledigen. Jemanden der an das gleiche glaubt, vertraut man schneller. Zudem wurden Schriften und Geld entwickelt, um komplexe Systeme verwalten zu können. Der Autor beschreibt und verteidigt die Rolle des Geldes als kulturübergreifendes System, er erläutert den Lebenszyklus von Imperien und macht deutlich, welchen Beitrag Religionen geleistet haben bei der Vereinigung der Menschheit. Deutlich wird aber auch, dass durch diese Vereinigungen größere Gruppen mit jeweils gleichen Vorstellungen entstanden sind, die sich nicht immer wohlgesonnen waren. Im Namen des Glaubens gab es Vernichtungsfeldzüge.

Im vierten Teil des Buches befasst sich Harari mit der wissenschaftlichen Revolution. Über Jahrhunderte wurde unterschätzt, dass Forschung wesentlich dazu beitragen kann, Macht zu vergrößern. Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung einer modernen Wissenschaft ist das Eingeständnis der eigenen Unwissenheit. Dabei ist der Maßstab die Nützlichkeit und nicht die Wahrheit.

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Obwohl es weltweit viele entwickelte Völker gab, ging der Fortschritt und meist auch die Eroberung anderer Kulturen von Europa aus. In zahllosen Feldzügen wurden fremde Kulturen vernichtet. Länder wurden im Namen der Krone annektiert und Völker vernichtet. Harari untersucht die Motivation der Eroberer für diese Feldzüge.

Der Autor erläutert, wie der Kapitalismus funktioniert. Es geht dabei nicht um Verteilung, sondern um Wachstum. Das ist nur möglich, wenn das notwendige Vertrauen in die Zukunft vorhanden ist. Kapitalismus setzt auf Wachstum. Wachstum erfordert Ressourcen und fördert Umweltzerstörung. Der Autor sieht ein Problem in der Umweltzerstörung und nicht in der Verknappung von Ressourcen. Er beschreibt die Veränderungen in den Familien und Gemeinschaften die einhergehen mit der Globalisierung.

Aus der Eroberungsmentalität, der Imperienbildung und der Erfindung der Atombombe leitet der Autor ab, dass der Weltfrieden heute gesicherter ist als je zuvor.

Der Autor widmet ein Kapitel dem Thema Glück; er wünscht sich, dass die Geschichtswissenschaften nicht nur über den Aufstieg und Niedergang von Weltreichen berichten, sondern auch ausführen, wie sich die historischen Entwicklungen auf das Glücksempfinden der betroffenen Menschen auswirken.
Das letzte Kapitel zählt zu meinen Lieblingsstellen im Buch. Darin behandelt der Autor unsere biologische und technische Zukunft. Ob das Ende des Homo sapiens eingeläutet wird, wie der Autor bereits in der Überschrift suggeriert, muss der Leser für sich entscheiden.

Yuval Noah Harari bietet mit seinem Buch eine verständliche Reise durch die Menschheitsgeschichte an. Im Fokus stehen nicht Einzelereignisse, sondern Strukturen und Entwicklungen. Selbst komplexe Sachverhalte werden hier ganz einfach dargestellt. Der Autor entwickelt eigene Gedanken, die man nicht immer teilen muss, die aber nachdenklich machen. In der Summe handelt es sich um ein geistreiches Buch, welches ich sehr empfehlen kann.

Lasst gern Kommentare da, ob ihr das Buch gelesen habt und wie es Euch gefallen hat!


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