[Rezension] Born a Crime von Trevor Noah

Trevor Noahs Buch „Born a Crime: Geschichten aus einer südafrikanischen Kindheit“ hat mich enorm begeistert. Sein Schreibstil ist scharfsinnig und wundervoll authentisch. Er brodelt vor Leidenschaft für seine Heimat, ist voller guter Laune und bringt gleichzeitig mit präziser Genauigkeit seine psychologischen, kulturellen und sozialen, manchmal  auch erschreckenden Beobachtung und Erfahrungen mit ein.

„Born a Crime“ ist tatsächlich wortwörtlich zu nehmen als Kind zweier Rassen in Südafrika zur Zeit der Apartheid. Mit nur sehr flüchtigem Kontakt zu seinem leiblichen Schweizer Vater, wurde Noah von seiner leidenschaftlichen und zärtlichen südafrikanischen Mutter erzogen, die ihm weder die Schläge erspart hat, als sie dachte, er verdiene sie, noch ihre oft sehr strengen Lebensweisheit. Seit seinen frühen Jahren hat er sich über das Christentum lustig gemacht, dem sie beide angehörten, aber er lernte von diesem eben auch den ethischen Kompass, der ihn sogar durch eine schelmisch rebellische – und manchmal mäßig kriminelle – Jugend brachte.

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Noah verdiente sich seine Klugheit auf die harte Tour: In den Seitenstraßen der schwarzen Townships von Johannesburg, wo es ums Überleben ging, galt es die ständig wechselnden Untiefen sozialer, rassistischer und politischer Unruhen zu erkennen und verstehen. Während der Apartheit galt Trevor als vollkommener Aussenseiter  – nicht weiß, nicht „farbig“, nicht indisch und nie vollkommen schwarz. Aber als die Apartheid schließlich durch eine Mischung aus nationalen und internationalem Druck zermürbt wurde, rutschte er frech zwischen Rassengrenzen hindurch. Mit List, Täuschung und Scheinheiligkeit stellte er sicher, dass er aus jeder Situation profitierte. Naja, meistens. Es gab Zeiten, in denen er brutal geschlagen wurde, aber er hat die tiefsitzende Fähigkeit, dann auch jedesmal wieder aufzustehen.

Wenn Noah uns auf seine wilde Reise mitnimmt, ist es auch eine sehr emotionale. Es grenzt schon an ein Wunder, dass er einen brutalen Stiefvater überlebte. Eine unruhige Erziehung und ständige Veränderungen des Wohnsitzes, die die disziplinierte Erfahrung der katholischen Schule mit dem Chaos der Straßen verband, und seinen eigener widerspenstigen Geist, der jede soziale Norm ablehnte, machte ihn zu dem scharfsinnigen und schonungslosen Sozialkritiker der er heute ist. Wenn man verstehen möchte, wie sich das Leben während der Apartheid in Südafrika anfühlte, ist dies ein sehr guter Anfang.

Leider gibt es das Buch bisher nur auf Englisch. Kaufen kann man es hier (Amazon Partnerlink).

Habt ihr es schon gelesen? Wie hat es Euch gefallen?


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