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Chinesische Ernährungslehre

Chinesische Ernährungslehre hat nichts mit Nasi-Goreng zu tun!

Die chinesische Ernährungslehre ist keiner bestimmten Küche zugeordnet. Grundlagen dieser Ernährung finden sich in jeder altbewährten Esskultur wieder. Auch wenn die Ursprünge in China liegen, geht es nicht darum, fremde Zutaten zu verwenden und Nasi-Goreng zu kochen, vielmehr werden Konzepte und Lehren der chinesischen Medizin genutzt, um Nahrungsmittel und Produkte nach diesem System zu klassifizieren. Zum Beispiel werden Lebensmittel neben Vitamin-, Nährstoff- und Kaloriengehalt auch noch nach der thermischen Wirkung, dem Qi (Chi)- und dem Enzymgehalt bewertet. Qi werde ich im Laufe des Artikels noch etwas genauer beschreiben.

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Im Laufe der Generationen wurden früher verständlicherweise nur Rezepte überliefert, die auch gut verträglich waren. Heute entscheidet leider nicht mehr die Bekömmlichkeit eines Gerichts darüber, ob es weitergegeben wird. Wir hören nicht mehr auf unseren Bauch. Ansonsten gäbe es viele Essgewohnheiten und Gerichte aus den letzten 20 Jahren nicht mehr. Einige Beispiele hierfür sind Salat, nicht ausgereiftes Obst, Müsli mit Milch und Essen aus der Mikrowelle. Wir denken, gerade das ist gesund. Fernab von wohltuendem Essen. Wir verstehen unsere Mitte (Magen, Bauch, Herz, Lunge usw.) nicht mehr und können Anzeichen von schlechter Verdauung nicht deuten.

Zum Qi: Es gibt nach der chinesischen Ansicht zwei Arten von Qi: Die vorgeburtliche Lebensenergie und die Lebensenergie die wir durch die Nahrung aufnehmen (damit sind nicht Kilojoule oder Kalorien gemeint). Das vorgeburtliche Qi wird von Mutter und Vater weitergegeben und in der Schwangerschaft genährt. Es beginnt sich zu verbrauchen ab dem ersten Schrei und ist aufgebraucht mit dem letzten Atemzug. Wir können entscheiden,  ob wir die kostbare Lebensenergie durch einen exzessiven, selbstzerstörerischen Lebensstil und schlechtes Essen schnell verpulvern oder ob wir durch genussvolle Lebensgestaltung, regelmäßiges und gesundes Essen und ausreichende Ruhepausen lange etwas davon haben, sodass uns ein hohes Alter in Gesundheit beschert sein kann.

Nahrung gibt Energie, Lebenskraft. Nehmen wir über die Nahrung zu wenig Energie auf, als wir für das Verdauen und den Stoffwechsel benötigen wird die vorgeburtliche Energie angezapft, um das Defizit zu decken. Die vorgeburtliche Energie kann man im Gegensatz zu der Energie aus der Nahrung nicht mehr auffüllen. Was weg ist, ist weg.

Bildlich kann man sich das ganz gut so vorstellen: Ein Grill steht auf einem offenen Feuer (Verdauungsfeuer) und unter dem Feuer befindet sich meinetwegen ein Vulkan bzw. Erdwärme (vorgeburtliche Energie). Wie sehr das Feuer geschwächt wird, hängt davon ab, was wir auf den Grill packen. Und davon hängt ab, ob die Erdwärme etwas dazu geben muss oder nicht. Ein Stück Fleisch oder gekochtes Gemüse schwächt das Feuer kaum; im Gegensatz zu Eis, Salat oder unreifes Obst.

Auch durch zu wenig und unregelmäßiges Essen werden nicht nur die lästigen Fettpolster abgebaut, sondern auch Lebensenergie. Ungesundes Essen nimmt natürlich auch eine Menge unserer Lebensenergie. Mit künstlichen Aromen, Geschmacksverstärkern, Süßstoffen, modifizierter Stärke, gehärteten Fetten, verarbeiteten Produkten, genmanipulierten Lebensmitteln und unreif geerntetem Obst trickst die Lebensmittelindustrie unseren Geschmackssinn aus, aber nicht unseren Stoffwechsel. Unser Körper ist einfach nicht gemacht um solche Produkte aufzunehmen und zu verarbeiten. Wir verhungern also mit vollem Bauch.

Ein hausgemachtes Essen mit guten Zutaten ist durch nichts zu ersetzen. Es sollte das saisonale und regionale Angebot an Gemüse, Obst, Kräutern und Salat genutzt werden. Damit versorgen wir unseren Körper optimal mit dem was er während der unterschiedlichen Phasen des Jahres braucht, um sich wohlzufühlen. Ausgang aller Rezepte ist immer der Ausgleich der Mitte –> Ausgeglichenheit und Gesundheit ist das Ergebnis.

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Ich beschäftige mich seit einiger Zeit vor allem mit dem Qi-Gehalt der Nahrungsmittel und was der vorgeburtlichen Energie schadet. Auch für mich ist es nicht einfach sich umzustellen, gerade weil ich gerne nasche. Aber einfach der Versuch hat mir gezeigt, dass ich mich nach einem Tag bewusster Ernährung anders gefühlt habe. Mir ist tatsächlich nach einigen Tagen bewusster Ernährung aufgefallen, wie schwer so ein Hamburger mit Pommes, aus dem Imbiss von nebenan, im Magen liegt. Ich finde bewusste Ernährung soll nicht nur das strikte Einhalten von Grenzen und Regeln sein. Man sollte sich auch etwas gönnen – bewusst. Sich auch mal bewusst für etwas ungesundes zu entscheiden ist ok. Es fängt an Spaß zu machen, wenn man es nach einer bewussten Mahlzeit schon merkt. Man fühlt sich gut.

Dem Verdauungsfeuer schaden

  1. ständiges Essen und Naschen
  2. große Mengen Rohkost und rohes Obst
  3. eiskalte Speisen
  4. große Mengen Milchprodukte
  5. künstliche Nahrungsbestandteile
  6. Tiefkühlkost und Mikrowelle

zu 1. Sobald die Verdauung beginnt die wertvollen Bestandteile unserer Nahrung zu verarbeiten, sollte dieser Prozess möglichst nicht mehr durch die Zugabe weiterer Nahrung unterbrochen werden. Das kann man sich wie beim Bierbrauen vorstellen. Ist der Gärprozess gestartet, gibt man nichts weiter dazu. Nach jeder ausreichenden Mahlzeit sollte deswegen 3-4 Stunden lang nichts mehr gegessen werden.

zu 2. und 3. Das Feuer unter dem Grill/ Topf auf dem Feuer muss die richtige Temperatur haben. Ist das Feuer zu groß, kocht der Topf über. Ist das Feuer zu klein, findet keine richtige Destillation statt. Folgendes veranschaulicht die Situation recht gut: Zwei gleiche Töpfe. In den einen kommt eiskaltes Wasser und tiefgefrorenes Gemüse, in den anderen warmes Wasser und frisches Gemüse. Welche Suppe kocht schneller? Wird dem Körper über lange Zeit solch eine Mehrarbeit zugemutet erschöpft er. Diese Erschöpfung ist gekennzeichnet durch Völlegefühl und Müdigkeit nach dem Essen, Energiemangel, Verdauungsprobleme und schwaches Bindegewebe. Das erschöpfte Verdauungsfeuer kann nur noch eine unvollständige Destillation ermöglichen, es entsteht ein Energiemangel–> Müdigkeit und  Erschöpfung. Nach einer Mahlzeit dauert es zu lange bis die „Suppe“ kocht –> Völlegefühl. Auch das Ausscheiden der unverdauten Nahrung braucht Energie Ist diese nicht da, bilden sich Ablagerungen und Schlacken besonders im Bindegewebe –> Cellulite und Verdauungsprobleme.

zu 4. Milchprodukte zu verarbeiten dauert lange und ist sehr aufwendig. Wenn man einen schönen Eimer Joghurt über unser Verdauungsfeuer kippt, kann man sich danach sparen, das Fleisch noch auf den Grill zu legen. Es würde nicht mehr gar werden.

zu 5. Bei den künstlichen Nahrungsbestandteilen handelt es sich um Nahrungsmittel, die von der Industrie so verändert wurden, dass Substanzen entstehen, die so in der Natur nicht vorkommen. Der Körper ist nicht geschaffen, um solche Substanzen zu verarbeiten und aufzunehmen. Sie machen also den Bauch voll, liefern aber nur wenig Energie.

zu 6. Durch die schnelle Schwingung der Mikrowelle oder das Einfrieren wird die Nahrung auch verändert, was die Verdauung erschwert und die Energie-Ausbeute mindert.

Dem Verdauungsfeuer hilft

  1. knackig gekochtes Gemüse statt Rohkost
  2. Kompott aus einheimischen Früchten statt Südfrüchte und rohes Obst
  3. gekochtes, warmes Essen statt Brotmahlzeiten
  4. Getreide in gekochter Form statt Flocken, Müsli und Vollkornbrot
  5. lang gekochte Kraftsuppen
  6. täglich kleine Mengen Fleisch oder Hülsenfrüchte

zu 1. Chinesen würden nie ihre Energie verschwenden, um rohes Gemüse erst im Magen zu erhitzen. Diese Aufgabe kann der Herd viel besser erledigen. Ich kenne die Theorie auch, dass durch Kochen Vitamine verloren gehen, aber dem Körper kommen auch nur die Vitamine zugute, die er auch aufnehmen kann. Rohes Gemüse, das sich am nächsten Tag unverdaut in der Toilette findet, wurde nicht verwertet. Außerdem lösen sich beim kurzen, schonenden Kochen nicht alle Vitamine in Luft auf. Der Vitamingehalt reduziert sich zwar, aber der verbleibende Rest wird viel besser aufgenommen und das Verdauungsfeuer wird nicht unnötig geschwächt.

zu 2. Nur sehr reifes, weiches und süßes Obst sollte in kleinen Mengen gegessen werden. Leider gibt es im Handel kaum wirklich reifes Obst zu kaufen, um lange Transportwege zu überstehen. Durch das Kochen von Obst zu Kompott wird der natürliche Reifeprozess nachgeahmt. Wir fügen Hitze hinzu, damit ist das Obst viel besser verdaulich.

zu 3. Gekochtes Essen ist wohltuender und bekömmlicher für unsere Verdauungsorgane als Brotmahlzeiten. Auch das Sättigungsgefühl ist nach einem Teller Kartoffelsuppe viel größer als durch ein Sandwich.

zu 4. In China wird Getreide fast ausschließlich als gekochter Reis gegessen, ergänzt durch Weizen für Nudeln, Teigtaschen und gedämpfte Klöße. Vollkornbrot, rohe Getreideflocken oder gar Müsli halten sie für unverdaulich. Viele Menschen klagen über Blähungen und Völlegefühl, obwohl sie „nur gesundes“ vollwertiges Getreide essen. Auch die Mittelmeerküche kennt fast keine Vollkornprodukte außer gekochten Couscous und Bulgur. Rund ums Mittelmeer wird Weißbrot in Olivenöl getunkt und zur Mahlzeit gegessen. Im ganzen Korn sind lediglich Quinoa, Hirse, Perlgerste und unverarbeiteter weißer Reis bekömmlich.

zu 5. Das Wort Kraftsuppe sagt schon aus, dass diese Suppe uns Kraft verleiht. Eine Suppe muss mindestens 4, 6 oder 10 Stunden gekocht haben, damit sie sich Kraftsuppe nennen darf. Während dieser langen Köchelzeit wird der Suppe permanente Energie in Form von Hitze zugeführt, die sich beim Verzehr auf unsere Verdauungsorgane und den ganzen Menschen überträgt. In der chinesischen Ernährungslehre gilt sie als Mittel, um Energieschwäche, Müdigkeit und Erschöpfung zu behandeln. Auch bei uns wird diese Suppe schon Generationen gereicht, wenn jemand krank wurden.

zu 6. Fleisch hat in der chinesischen Ernährungslehre das Potenzial uns Kraft zu geben, auch Verdauungskraft. Kleine Mengen Fleisch, ca. 100 Gramm am Tag verhindern Blut- und Eiweißmangel und stärken das Verdauungsfeuer

Die chinesische Ernährungslehre hat sich als sehr wirkungsvoll erwiesen. Ich fühle mich aktiver und energiegeladener seit ich mich an diese einfachen Regeln halte.

Für weiterführende Information kann ich dieses Buch sehr empfehlen:: Christiane Seifert – Die fünf Elemente-Küche

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